In Limbo

Komposition: Jacopo Salvatori
Text: Kornelius Paede (teilweise nach Dante Aligheri)

U.A. 06.05.2016, HfMT München, Großer Konzertsaal

 

Text (ohne Dante-Fragmente)

Die Nebel war’n dick und ich – wie blind ohne Dunkel. Ich ahnte das Vorher, tief hinten, und schmeckte das salzige Nichts ohne Richtung. Wo bin ich? Da strömt voll Gewalt etwas in mich, unendliche Schwaden in sämtliche Poren und ich schwebe herab. Das Ende – ein Anfang. Ich bin noch. Vielleicht.

Wir waren auf einmal da. Wussten nicht wo wir hier waren und tasteten uns in die Kühle der planaren Weite. Einer sagt, er weiß Bescheid und wir gehen ihm nach, nur wohin? Verstehe ihn nicht, trotz seiner Mühen. Bin ganz leise und wach und die Sehnsucht nach Was-weiß-ich zernagt mir – ich weiß nicht was.

Ich bin ein unklarer Fall, wir alle sind unklar. Dämmerung, immerfort. Das Zwielicht legt sich wie Tau auf die Hirne. Wer sind die Anderen? Wohin marschieren wir? Die Fluren sind unstet und die Winde so schwül. Und immer der Nebel. Wer war ich? War ich wer?

Ich habe die Englein nicht singen gehört, aber Gepfeife aus bebendem Morast. Es gibt keinen Weg. Ich genieße die Stumpfheit. Der, der vorangeht schmunzelt, je weiter wir gehen. Weil wir nicht vorwärts kommen. Ich frage, er antwortet.

Vielleicht nicht im Unten, ganz sicher nicht oben. Der Vorgeht berichtet vom Riss im Gefüge. Alles sei anders, der Riss sei das Ziel. Die Anomalie. Muster des Zwischen, weil nun kein Oben mehr sei. Ich verstehe ihn nicht, aber wir suchen.

In meine Windungen bohrt sich ein Ende, das schmerzt. Die Hoffnung tut weh, ich sehe ein Licht in der Ferne und fülle die Lunge. Ich laufe und laufe und höre nicht auf und rieche den Himmel unter der Erde. Ich laufe und breche zu Boden und atme kaum mehr voller Glück. Komm zu mir, Erlöser!

Wir suchen und suchen, aber er sagt, es gibt keinen Gott mehr. Niemand bemerkte es, denn Gott schwand leise. Eingelullt, alle, betäubt von den Schleiern des Zwielichts. Wir dürften hier gar nicht sein. All das hier dürfte so gar nicht, doch sind wir noch hier und wir wandern und suchen und lauschen dem Pfeifen der ungleichen Winkel in Raureif und Föhn. Ich warte auf nichts. Wir gehen jetzt weiter. Ich bin. Fast. Glücklich? Vielleicht.

Mein Gott. Mein Gott. Wo bist du? Ich hab dich gerufen und spür deinen Odem doch nicht. Wieso dürstet mich nicht vom Laufen? Vater, du bist doch ewig. Wie könntest du fort sein? Vater, erlöse mich, bann mich in das Paradies der Hölle hinab, dass ich wieder Spüre den Körper, den Geist und die Sünden in mir. Wo bist du Vater? Wieso gibt es dich nicht? Wieso gibt es dich nicht?