Fidelio / Oper Halle

 

 

Premiere: Freitag, 15. September 2017

FIDELIO

Große Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven
Libretto von Josef Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke

»Am Gebäude der Deutschen Bank in München steht: ,Aus Ideen werden Märkte‘. Jetzt ist der Ideenhimmel verbraucht. Es gibt nur noch Märkte, und dadurch entsteht eine ungeheure Leere. Die Frage ist, ob der Mensch das aushält.« (Heiner Müller)

Leonore gewinnt als Mann verkleidet unter dem Namen Fidelio das Vertrauen des Kerkermeisters Rocco und seiner Tochter Marzelline und verschafft sich Zutritt zu dem geheimen Verließ, in dem ihr Mann Florestan vom Gouverneur Don Pizarro willkürlich festgehalten wird. Florestan schwebt in Lebensgefahr und seine Frau versucht ihn mit Waffengewalt zu befreien. Doch erst durch die Ankunft des Ministers Don Fernando werden beide gerettet. Am Ende preisen alle Freiheit, Gerechtigkeit und Gattentreue.

In einem jahrzehntelangen Kompositions- und Umarbeitungsprozess entwickelte Beethoven seine einzige fertig gestellte Oper Fidelio zu einer musikalischen Grenzüberschreitung zwischen biedermeierlichem Singspiel und oratorischer Freiheits-Symphonie. Die im Umfeld der Französischen Revolution entstandene Schreckens- und Befreiungsoper Léonore ou L’ Amour conjugal von Pierre Gaveaux und Jean Nicolas Bouilly arbeitete Beethoven für Fidelio aus Rücksicht vor der österreichischen Monarchie um und tilgte alle Hinweise auf einen revolutionären Kampf. Er verkehrte die politischen Verhältnisse der Oper vom Erzählrahmen der französischen Umsturzjahre nach 1789 in den Kontext einer guten Monarchie, die die Machenschaften eines bösen Intriganten vereitelt und so politischer Freiheit zu ihrem Recht verhilft. Beethovens mitreißende Musik ist dabei voller revolutionärer Dringlichkeit und widerständigem Pathos, so dass Fidelio bis heute als eine der wichtigsten Revolutions- und Freiheitsopern des „Deutschen Repertoires“ gilt.

Nun ist die Freiheit seit dem Entstehen des Werkes im frühen 19. Jahrhundert nicht nur zum höchsten politischen Wert und Grundrecht aufgestiegen, sondern hat sich zugleich als ökonomischer Imperativ der liberalen Gesellschaft und des bürgerlichen Staates offenbart. Die Befreiung der Menschen von staatlicher Bevormundung findet ihr ökonomisches Pendant nicht zuletzt darin, dass sämtliche Lebensbereiche vollständig den Gesetzen des Marktes unterworfen werden: So schlägt Freiheit auf eine repressive Weise gegen die Menschen zurück.

Diese Schattenseiten der Freiheit im Zeitalter neoliberaler Markt- und Gesellschaftsreformen sind in unserem Fidelio ebenso Thema, wie die Folgen der gesellschaftlichen Liberalisierung auf den Theater- und Opernbetrieb selbst. Im sinnlichen Spiel großer Opulenz und überbordender Erwartungshaltung gegenüber der klassischen Oper des 19. Jahrhunderts fragen wir nach den „Kosten der Freiheit“ . Was ist, wenn Kunst sich rechnen muss, und – genau wie alle anderen Lebensbereiche – von der Freiheit des Marktes und der Konkurrenz bestimmt wird?

Musikalische Leitung Christopher Sprenger
Regie Florian Lutz
Bühne Martin Miotk
Kostüm Andy Besuch
Video Iwo Kurze
Choreinstudierung Rustam Samedov
Dramaturgie Kornelius Paede
Florestan Hans-Georg Priese
Don Fernando Ki-Hyun Park
Don Pizarro Gerd Vogel
Leonore Anke Berndt
Rocco Vladislav Solodyagin
Marzelline Ines Lex
Jaquino Robert Sellier
Erster Gefangener Rainer Stoß, Sebastian Byzdra
Zweiter Gefangener Till Voß, Hwa Young Chun

Chor und Extrachor der Oper Halle
Statisterie der Oper Halle
Staatskapelle Halle